Die Geschichte

Postkarte

Zu einem der ältesten und bedeutendsten Baudenkmälern der Gemeinde Etzelwang zählt das Schloss Neidstein. Jobst von Brand errichtete das Schloss, nachdem seine Burg 1504 zerstört worden war, auf einer Felsenterrasse des Naturschutzgebietes Schergenbuck. Der heutige Komplex umfasst die noch vorhandene Ruine der alten Burg, die ca. 1050 entstanden sein dürfte, sowie das 1513 fertig gestellte Schloss Neidstein, was durch eine Steintafel in der Schlossmauer mit der Inschrift: "Aufgericht durch mich jobst vom Prant im Jar 1513", bestätigt wird.

Entstehungszeit

Am Fuße der Burgruine wurden Gefäßscherben gefunden, die auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert wurden. Die Kirche St. Nikolaus in Etzelwang wurde 1059 errichtet, wobei das Patrozinium die Herren von Neidstein inne hatten. Hieraus und aus der Tatsache, dass in der Mitte des 11. Jahrhunderts im Zuge der Besiedlung des Nordgaus derartige Höhenburgen entstanden, wurde geschlossen, dass die Burg etwa um 1050 erbaut worden sein dürfte. Damit liegt eine fast 1000-jährige Geschichte vor. 

Bewohner

Die Erbauer der Burg dürften dem Dienstadel des Bistums von Bamberg angehört haben. Sie erhielten die Burg sowie die dazu gehörige Hofmark "zu Lehen". In der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld vom Jahre 1119 ist ein "Ruppert de Stein" als Zeuge aufgeführt, der als frühester erwähnter Ministeriale auf Neidstein gilt (Piendl, Historischer Atlas von Bayern, Herzogtum Sulzbach, Seite 67). Die Neidsteiner starben um 1300 im Mannesstamme aus. Danach kam es zu einem häufigen Besitzerwechsel. Eigentümer waren u. a. Kaiser Ludwig von Bayern, Pfalzgraf Rupprecht II., Pfalzgraf Rudolf II., Kaiser Karl IV., der Sohn Otto des Kaisers Ludwig von Bayern sowie Herzog Ludwig der Reiche von Bayern Landshut. Letzterer verpfändete 1466 die Burg und das Lehen an Hans den Prantner, dessen Nachfahren die Anlage bis 2006 besaßen und dann an den Hollywoodschauspieler Nicholas Cage veräußerten. Dieser verkaufte im Jahre 2009 die Anlage an den Amberger Rechtsanwalt Dr. Konrad Wilfurth.

Namensbedeutung von "Neidstein"

Die Wortsilbe "Stein" kann auf den Felsengipfel bezogen werden, auf dem die alte Burg über der sogenannten Neidsteingrotte erbaut worden war. Um diese Grotte dürfte sich schon frühgeschichtlich eine zunächst natürliche Verteidigungsanlage entwickelt haben, die später mit Holzpalisaden oder Steinwänden befestigt wurden. 

Der Name "Neid" war im Mittelhochdeutschen als "Nit" die Bezeichnung für eine feindselige Gesinnung im Allgemeinen und im Besonderen, die Gesinnung, dem Feind im Kampf zu schaden, also "Kampfgrimm" oder "Kampfeswut". Als Bestandteil im Namen einer Burg deutet dies darauf hin, dass die Burg zum "Neid" gegen den Feind errichtet wurde, also einen Felsen bezeichnet, von dem aus man sich "mit Kampfeswut auf den Feind stürzte und diesen bekämpfte". 

Zerstörung der Burg

Gegen Jobst Prantner war von 1497 bis 1501 eine Fehde wegen Widersetzlichkeit gegen Herzog Albrecht von Bayern München im Gang. Jobst verteidigte auf Geheiß seines Pfandgebers Herzog Ludwig von Bayern Landshut das Recht auf Blutbann (Recht die Todesstrafe zu verhängen). Diese Fehde führte dann im "Bayerischen Krieg" dazu, dass die Burg von Leuten des Herzog Albrecht von Bayern aus Sulzbach niedergebrannt wurde.

Schloss Neidstein

Jobst von Brand baute daraufhin unterhalb der zerstörten Burg auf einer Felsterrasse aus den früheren Wirtschaftsgebäuden das neue Schloss, das insbesondere den veränderten Wohnbedürfnissen und Komfortwünschen der damaligen Zeit Rechnung trug. Aufgrund der weiterentwickelten Feuerwaffentechnik (Kanonen) bot eine Burg bei Angriffen keinen nennenswerten Schutz mehr. Als Ergebnis des Bayerischen Kriegs wurde 1506 die sogenannte "junge Pfalz" gebildet, zu der neben Sulzbach auch Neidstein gehörte. Durch Pfalzgraf Friedrich wurde Jobst 1512 das Schloss Neidstein mit den zugehörigen Gütern und Rechten (Niedere Gerichtsbarkeit und Landsassenrecht) als erbliches Mannlehen übertragen.

Hofmark Neidstein

Hofmark bezeichnet einen abgegrenzten Bezirk einer Grundherrschaft, der das Recht zur niederen Gerichtsbarkeit hatte. Hieraus entstanden dann später die Patrimonialgerichte. Diese Rechte wurden mit der Revolution 1848 in Bayern beseitigt. Neidstein lag ab 1656 in Pfalz-Sulzbach. 1790 umfasste die Hofmark Neidstein 37 Höfe. Diese lagen in Albersdorf, Erkelsdorf, Ernhüll, Etzelwang, Fichtenhof, Lehendorf, Neidstein, Penzendorf, Schnellersdorf und Tabernackel. Dem 1809 gegründeten Patrimonialgericht Neidstein unterstanden 52 Familien. Nach dem Ende des Feudalismus in Bayern 1848 lösten die Freiherren von Brand das bereits 1466 begründete Lehen Neidstein ab und erwarben das Schloss und die Ländereien vom königlich-bayerischen Finanzministerium zu freiem Eigentum.

Bauliche Entwicklung

1634 wurde der Turm des Schlosses gebaut, wobei Steine der alten Ruine verwendet wurden.

1633 war das Schloss durch die Schweden erobert und geplündert worden. Ein schwedischer Oberst starb in einem Flügel des Schlosses, der seitdem als "Schwedenbau" bezeichnet wird. In den Folgejahren mussten immer wieder beträchtliche Bau- und Instandsetzungsarbeiten an den Schlossgebäuden, dem Malz- und Dörrhaus der Schlossbrauerei, dem Bräuhaus, dem Schlosstor und der Schlossmauer durchgeführt werden. Im Gefolge der französischen Revolution kam 1796 ein französischer Verband nach Neidstein und richtete dort große Schäden an. U. A. wurden Teile des Schlossarchivs als Einstreu für die Pferde verwendet.

Mitte des 1900 Jahrhunderts wurden erhebliche bauliche Veränderungen durch Philip-Konrad von Brand vorgenommen. Das alte Bräuhaus im nordlichen Vorhof wurde abgerissen und über einem Felsenkeller unterhalb des Schlosses neu errichtet. Der hölzerne Gang zwischen dem Schwedenbau und dem Hauptflügel wurde durch einen massiven Steinbau ersetzt und die Gesamtfassade des Schlosses durch Steinstufen verschönert.

1860 erhielt das süd-westliche Ende des Hauptbaus zwei Ecktürmchen. Sämtliche Innenräume wurden erneuert. Zudem wurden 11 Relieftafeln mit biblischen Darstellungen des Amberger Bildhausers Georg Schwaiger aus dem Jahre 1601 erworben und am Haus angebracht.

1897 wurden das als Kuhstall dienende Gewölbe im Erdgeschoss des Hauptbaus beseitigt und stattdessen zwei Zimmer, eine geräumige Küche, ein Gang und ein Speiseaufzug zum I. Stock eingebaut. Weiter wurden zwei grün lasierte Kachelöfen gesetzt und erhebliche Dachreparaturen ausgeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein moderner Pferdestall eingerichtet und die Repräsentationsräume stuckiert durch den Regensburger Bildhauer und Stuckateur Jakob Grau. Ferner wurde eine Bibliothek der Möbelschreiner A. Schoyerer, Cham, königlich-bayerischer Hoflieferant eingebaut. Philip Paul von Brand ließ auch den Mittelbau zwischen Haupt- und Schwedenbau bedachen und die dazwischen befindlichen Erker durch einen Giebel bekrönen.

Erstaunlich viele Baumaßnahmen erfolgten 1918/19. Dies dürfte im Zusammenhang damit stehen, dass der damalige Schlossherr Philip Paul von Brand die Gräfin Ottilie von Faber-Castell heiratete und diese im Schloss einzog. Sie lebte hier bis zu ihrem Tod 1944. Über ihr Leben auf Schloss Neidstein hat die bekannte Schriftstellerin Asta Scheib eine Romanbiografie mit dem Titel "Eine Zierde in ihrem Hause" verfasst.